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Das Frank-Loebsche-Haus

Das dreigeschossige Anwesen Kaufhausgasse 9 weist mit einzelnen Bauelementen bis in das 15. Jahrhundert zurück.

Wie Baufugen erkennen lassen, ist im darauffolgenden Jahrhundert in die Bausubstanz nachhaltig eingegriffen worden, was ein Zusammenwachsen zu einem geschlossenen Baukomplex mit fast quadratischem Grundriss zur Folge hatte. In diese Umbauphase ist auch der Renaissance-Treppenturm mit seinen für die Stilepoche typischen, aufsteigenden Fenstern einzuordnen.

Sieht man von der barocken Brunnen-Zutat von 1698 ab, so hat die Festungszeit der Stadt Landau (1688 - 1871)  kaum Spuren an dem Vier-Flügel-Bau mit seinem malerischen Arkadenhof hinterlassen. Zu baulichen Veränderungen des Hauses ist es dann erst wieder um 1850 gekommen.

Ein letzter nachhaltiger und bedeutsamer Eingriff ist durch die neue Zweckbestimmung notwendig geworden. In den Jahren 1983 bis 1987 wurde der gesamte Baukomplex umfassend saniert und restauriert.

Die Geschichte des Hauses als Wirtschaft und Herberge ist mit den unter sich verwandten Landauer Bürgergeschlechtern Kempf, Stiehler, Geropp und Schneider eng verknüpft. Seit 1601 bis weit in das 19. Jahrhundert besaßen diese Familie die Wirtschaft „Zur Blum“.

Verkauf des Anwesens durch den Gutsbesitzer Georg Friedrich Schneider für 16.000 Gulden an den Niederhochstadter Zacharias Frank. Der Besitz umfasst das dreistöckige Wohnhaus mit drei Kellern, drei Ställen, mit Hof, Brunnen und Fasslager.

Nach dem Tod von Zacharias Frank (27. Juli) geht der Besitz an seine Witwe Babette als Allein­erbin über.

Am 10. Oktober stirbt Babette Frank. Nun besitzen die acht Kinder das Haus in Erbengemeinschaft. Jedoch lebt nur die Tochter Sophie, die Witwe des Landauer Bankiers Leo Loeb, in ihrer Heimatstadt. Michael Frank, einer ihrer Brüder, ist Kaufmann in Frankfurt. Dessen Sohn Otto ist der Vater der Anne Frank.

Übergang des Anwesens in den Alleinbesitz von Sophie Loeb, geborene Frank.

Olga Loeb, die 1876 geborene Tochter von Leo und Sophie Loeb, erbt den Besitz. Sie findet im März 1939 bei Verwandten in Luxemburg ein Unterkommen. Von dort wird sie am 6.4.1943 nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebt und geht wieder nach Luxemburg, seelisch gebrochen.

Die Stadt verhandelt über den Erwerb des historisch wertvollen Gebäudes, sieht dann jedoch von einem Ankauf ab.

Am 22. Oktober 1940 werden die 23 in das Haus eingewiesenen Juden in das Lager Gurs und andere Lager abtransportiert.

In den ursprünglich drei Wohnungen sind in den ersten Nachkriegsjahren zehn Familien untergebracht, eine Notmaßnahme, die den baulichen Zustand des Gebäudes stark beeinträchtigt.

Nach dem Tod von Olga Loeb (15. September 1946) geht das Anwesen als deren Vermächtnis an Juliane Haentzschel über, die es in den folgenden Jahren der Stadt wiederholt zum Ankauf anbietet. Vom Landesamt für Denkmalpflege werden bereits 1951 dringende Reparatur- und Restaurierungsarbeiten finanziert.

Das Landesamt für Denkmalpflege schlägt vor, das Haus auf Grund seines "historischen Wertes" unter Denkmalschutz zu stellen. Dies wird jedoch erst 1981 realisiert.

Am 1. September geht das Haus in städtischen Besitz über. Pläne, hier das Heimatmuseum unterzubringen, werden nicht verwirklicht. Dabei kommt es auch zu Überlegungen, dem Gebäude den Namen "Anne-Frank-Haus" zu geben und eine Dokumentationsstätte zur Geschichte der Landauer jüdischen Gemeinde einzurichten.

Dacherneuerung und Sanierungsarbeiten am Treppenturm unter finanzieller Mithilfe des Landesamtes für Denkmalpflege.

Landauer Bürger und Bürgerinnen gründen am 25. April einen "Verein der Freunde des Frank-Loebschen-Hauses", der sich der Sanierung und Finanzierung des Hauses annimmt.

Stadt und Verein entwickeln ein Nutzungskonzept

Im September Beginn der umfassenden Restaurierungs- und Ausbauarbeiten im Rahmen der vorgesehenen Zweckbestimmung. Das Land Rheinland-Pfalz fördert die Sanierung durch wiederholte, bedeutende Mittelzuweisungen. Der Verein bringt durch Werbe- und Spendenaktionen im Laufe von fünf Jahren 400.000,- DM auf.

Am 7. Mai Einweihung des von Grund auf restaurierten Hauses.

Ehemalige jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen sind dazu auf Einladung der Stadt in ihre frühere Heimatgemeinde gekommen und nehmen an der Einweihung des Hauses teil.